Achtung, die dicken Blauen kommen!

Erst kürzlich berichtete ich von einer wein- glückseligen Reise durch Franken und Nordbayern. Längst wollte ich allerdings über die Blaubeeren berichten. Aber es ist wie im wirklichen Leben – manchmal kommt einem etwas dazwischen und/oder eben auch nicht. Warum sollte sich das Bloggen vom wirklichen Leben unterscheiden, spiegelt es doch einen Teil des Bloggerlebens wieder …

Hannibals Alpenüberquerung … oder der Almauftrieb

Und wiedermal konnte ich es nicht lassen. Mit meiner Kochfreundin Petra von dem Blog Obers trifft Sahne habe ich mich einer weiteren Koch-Competition gestellt – dem Cooking Star. Hier kommt mein nicht ganz unkritischer Bericht.

Die Kochherausforderung

Der Wettbewerb

Wettbewerbe gehören zu meinen ganz persönlichen Herausforderungen. Sich messen mit Gleichgesinnten, in diesem Fall mit nicht-professionellen Köchen, Laienköchen, respektive nicht gelernten Köchen. Hier eine tatsächliche Trennlinie zu ziehen ist selbst für die Organisatoren eine Herausforderung. Wer als ungelernter Koch seinen Lebensunterhalt in großen Teilen mit Kochen bestreitet gilt eben immer noch als Hobbykoch – so what? Eine Frage der Definition.

Der Cooking Star

Miele und EAT SMARTER suchten wieder die besten Hobbyköche Deutschlands. Unter dem Motto Alpenküche konnten sie Ihre Kochkünste unter Beweis stellen. Die Finalisten dürfen sich über eine Reise ins Salzkammergut freuen, wo das große Finale des Cooking Stars 2018 stattfinden wird. Ab August 2017 konnte man sich im Zweier-Team mit einem besonderen Rezept aus der Alpenküche bewerben. Das eingesendete Rezept muss dabei nicht selbst entwickelt worden sein, steht bereits in der Ausschreibung??? Der Kreativität waren bei der Rezeptauswahl keine Grenzen gesetzt. Zutaten konnten auf bisher unbekannte Weise kombiniert oder Klassiker neu interpretiert werden. Bei dem Rezept sollte es sich lediglich um einen Hauptgang für zwei Personen handeln, der in 60 Minuten komplett (inklusive Aufräumarbeiten) zuzubereiten ist. Bis Mitte Januar 2018 konnte man sich als 2er-Team mit seinem Rezept aus der Alpenküche, die übrigens später als Österreichische Küche weiter bezeichnet wurde, bewerben. Ende Januar starteten nun die neun deutschlandweiten Regionalrunden, am 24. Februar fand sie in Berlin statt – mit Käseverkostung.
Über die Zuteilung der Startregion könnte man sich hierbei auch so seine Gedanken machen (der Norden reiste zum Kochen nach Berlin und Berlin reiste in den Osten???).

Der Almauftrieb

Beim ersten Brainstorming schoss Petra und mir nahezu gleichzeitig Hannibals Alpenüberquerung in den Sinn – bissel arg theatralisch. Etwas weniger pathetisch einigten wir uns auf Almauftrieb. Und genau so haben wir unser eingereichtes Rezept genannt. Man kommt aus einem Gebirgs-Tal in dem das verwandte Korn, Obst und Gemüse tatsächlich wächst (Rüben, Beete, Kraut, Kräuter und Äpfel). Des Weiteren überquert man Bachläufe in denen quirlige Bachforellen beheimatet sind und pausiert schließlich mit Wecken und regionalen Räucherwaren. Auf der Alm angelangt wird man mit kräftigem Bergkäse belohnt.
unser Warenkorb
Bachforelle, Kaminwurzen, Tiroler Speck, Gerstensotto mit Kraut, Rote Bete Knödel, Apfel-Möhren Salat und Petersilienschaum
Damit waren wir so hautnah beim Thema wie so manch anderer mit Wildrücken oder Filet von allerlei Getier und Sauce mit Wein den man freiwillig nicht konsumieren würde (O-Ton Jury) oder gar Fischsuppe nicht – ich verstehe die Welt nicht mehr.
Bachforelle, Kaminwurzen, Tiroler Speck, Gerstensotto mit Kraut, Rote Bete Knödel, Apfel-Möhren Salat und Petersilienschaum als Probierlöffel
Ich streame ja allzu gerne via Internet den Radiosender Ö3. Da kommt man sich in seiner Berliner Küche immer vor wie verreist und kennt sich bestens aus im stop-and-go Traffik rund um Graz, Wien oder an den alpinen Grenzübergängen. Hier ein Song mit regionalem Schmäh:
Weiter, weiter
Wanda

Die Challange

Am letzten Samstag erkochten wir uns mit unserem Gericht Almauftrieb in einer der zahlreichen Tafelkünstler Kochschulen Berlins den 3. Platz. Kochtechnisch hatten wir unser Vergnügen, menschlich konnte ich teilweise meine Enttäuschung nicht vollends verbergen. Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Heute schon geschmunzelt? Beim Bäcker:
Die Brötchen sind ja von gestern, ich will welche von heute haben.
Dann kommen Sie einfach morgen wieder.
Bachforelle, Kaminwurzen, Tiroler Speck, Gerstensotto mit Kraut, Rote Bete Knödel, Apfel-Möhren Salat und Petersilienschaum

Das Rezept

Almauftrieb
Bachforelle, Kaminwurzen, Tiroler Speck, Gerstensotto mit Kraut, Rote Bete Knödel, Apfel-Möhren Salat und Petersilienschaum von
Petra Hermann und Doc. Eva
Zutaten
Bachforelle
  • 2 Stck        Bachforellenfilets
  • 1 El           Butter
  • Salz
  • etwas Beifuß
Kaminwurzen und Tiroler Speck
  • 2 Stck       Kaminwurzen, eingeritzt
  • 4 Sch        Tiroler Speck, fein gewürfelt
  • 1 Tl          Butter
Gerstensotto mit Kraut
  • 200 g       Gerstengraupen
  • 1 El          Butter
  • 400 ml     Brühe
  • 100 g       Sauerkraut, geschnitten
  • 50 g         Bergkäse, gerieben
  • 50 ml       Sahne
  • Salz
  • Pfeffer
  • Zucker
Apfel-Möhren Salat
  • 1 Stck        Apfel, geschält, fein gewürfelt
  • 1 Stck        Möhre, geschält, fein gestiftelt
  • Rapsöl
  • Apfelessig
  • Salz
  • Pfeffer
  • Zucker
Rote Bete Knödel
  • 1 Stck        Rote Bete, gekocht, gewürfelt
  • 2 Stck        Brötchen, altbacken, gewürfelt
  • 1 Stck        Eigelb
  • 3 El           Milch, 1,5%Fett
  • 1 Stck        Zwiebel, klein, fein gewürfelt
  • 2 El           Butter
  • Kümmel, gemahlen
  • Rote Bete Pulver
  • Salz
  • Pfeffer
Petersilienschaum
  • 1/2 Bd       Petersilie, glatt
  • 100 g        Schlagsahne
  • 2 Tl           Brühe
  • 1 El           Zitronensaft
Zubereitung
Bachforelle
  1. Die Filets auf der Hautseite in Butter kross braten. Herd ausschalten. 
  2. Filets wenden, Beifuß in die Butter geben und gar ziehen lassen. Warm stellen.
Kaminwurzen und Tiroler Speck
  1. Wurst und Speckwürfel in Butter braten. Warm stellen.
Gerstensotto mit Kraut
  1. Die Gerstengraupen mit Brühe auffüllen und garen. 
  2. Kurz vor Ende der Garzeit das Kraut unterheben. 
  3. Zum Schluss die Sahne und den Käse zufügen, gut umrühren. 
  4. Mit Salz, Pfeffer und Zucker abschmecken. Warm stellen.
Apfel-Möhren Salat
  1. Aus Rapsöl, Apfelessig, Salz, Pfeffer und Zucker eine Marinade mischen. 
  2. Apfelwürfel mit Möhrenstiftchen und der Marinade mischen. Ziehen lassen.
Rote Bete Knödel
  1. Die Zwiebel in 1 El heißer Butter weich dünsten, mit dem Eigelb zur Brötchenmasse geben. Mit Salz, Pfeffer und etwas Kümmel kräftig würzen. 
  2. Rote Beete Würfel dazugeben. Mit dem Rote Bete Pulver aromatisieren und zugleich färben. 
  3. Alles mit der Hand kurz verkneten. Die Masse zugedeckt 30 Min. ruhen lassen. 
  4. Aus der Masse mit angefeuchteten Händen 3 cm große Knödel formen. 
  5. In reichlich kochendes Salzwasser geben und bei kleiner Hitze 12-15 Min. sieden lassen. Warm stellen.
Petersilienschaum
  1. Petersilie abspülen, trocken schütteln, Blätter von den Stielen zupfen und fein hacken. 
  2. Sahne und Petersilie im Mixer oder mit dem Stabmixer fein pürieren. 
  3. Unter Rühren in einem Topf erwärmen und mit Brühe und Zitronensaft abschmecken. 
  4. Die abgekühlte Petersilienschaumsoße zum Servieren noch einmal aufschäumen.
Anrichten
  1. Mit dem Tiroler Speck eine gedachte Linie auf den angewärmten Teller bröseln. 
  2. Das Gerstenrisotto leicht exzentrisch auf den Tellern anrichten. 
  3. Die Bachforellenfilets schräg anlegen. 
  4. Die Kaminwurzen auf dem Gerstensotto ablegen. 
  5. Rote Bete Knödel dazu setzen. 
  6. Apfel-Möhren Salat mit anrichten. 
  7. Mittels dem Petersilienschaum eine Verbindung herstellen.
Lasst’s euch schmecken!
Bachforelle, Kaminwurzen, Tiroler Speck, Gerstensotto mit Kraut, Rote Bete Knödel, Apfel-Möhren Salat und Petersilienschaum (Bewerbungsfoto)

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