Freitag, 15. November 2013

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm



Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm
deutet ja eigentlich an, dass ein Kind Eigenschaften und Verhaltensweisen von den Eltern übernimmt. Kann man das auch in die Küche übertragen? z.B. Obst einzuwecken oder zu konservieren? Das stimmt bei einer Stadtgöre, wie mir, nicht zwangsläufig. Was in Opas winzigem Schrebergarten heranwuchs wurde ziemlich zügig verputzt, da blieb nix übrig zum Konservieren. 


Na und Eva und Apfel spricht ja per se schon für sich, vergl. 1. Buch Mose, auch Genesis genannt, der Sündenfall.
Zurück auf Anfang: Um meine allerliebste Tante R. in der Oberlausitz in der ehemaligen DDR - wir Wessis sprachen selbstredend von der SBZ (Sowjetisch Besetzte Zone) vor der Wende zu besuchen, musste man als Wessi ja DM 25 p.d. Zwangsumtausch Eintrittsgeld bezahlen. Hochgerechnet für eine Woche – da kam schon ein Sümmchen zusammen zum Shopping. Aber was: Großes Fragezeichen – die Ausfuhrbestimmungen ließen nicht wirklich viel zu.
Ich verdingte mich immer schon gerne in Eisenwarengeschäften resp. Haushaltswarenläden. Meine eigenwilligen Sammlung an Hammern, Schraubendrehern und Hobeln war für viele meiner Freunde unverständlich, ich hingegen war drauf und dran ihnen auch noch einzeln Namen zu geben. Bezaubernde hölzerne Vogelhäuschen und schlichte Zinkeimer hatte ich auch noch im Repertoire. Gerne setzte ich meinen Fuß auch über die knarzende Schwelle des Bücherladens am Zittauer Marktplatz. Rechts das, inzwischen widerhergestellte Rathaus mit seinem repräsentativen Bürgersaal und linker Hand mit Blick über den, in Quadrate aufgeteilte grob gepflasterten weitläufigen Platz, der Rolandbrunnen (Marsbrunnen) von 1585, ein Symbol für die Handelsstadt Zittau und dann direkt geradeaus. 


Zum Aushängeschild eines jeden Studenten gehörte in den 70ern natürlich Das Kapital von Karl Marx in drei Bänden. Es zierte auch mein Bücherregal! Diverse Kunst- und Gartenbücher hatten es auch bereits über die Grenze in den Westen geschafft. Am meisten aber liebe ich eine besondere Trophäe: Das Buch Natürlich konservieren von K. Puhony aus dem Artia Verlag Prag von 1984. Es hat mein Leben nachhaltig verändert, was Marx übrigens nicht gelungen ist. Das Buch beschreibt auf sehr einfache und anschauliche Weise Methoden der Wärmesterilisation, das Konservieren durch Einzuckern, durch Einsalzen oder durch Alkohol oder Milchsäure, das Trocknen, Räuchern und Pökeln.
Der erste Satz im Vorwort lautet: Es ist interessant, dass sich gerade in unserer hektischen Zeit immer mehr Menschen um eine Rückkehr zu einer natürlichen Lebensweise bemühen - geschrieben vor ca. 30 Jahren und aktueller denn je! 

Über den Apfel wird berichtet, dass er, vorzeitig geerntet, auch bei längerer Lagerung keinen ausgeprägten Geschmack erzielen kann. Was nun wenn die Sorte, egal in welchem Reifezustand, immer nur nach saurer Kohlrübe schmeckt? Baum fällen und entsorgen? Nein dazu blüht er zu schön.


Im Buch Natürlich konservieren kann man lernen zu Entsaften, Gelees und Konfitüre zuzubereiten, Likör anzusetzen etc. und backen und kochen geht ja immer. Beim Kochen verwende ich den Geschmacksarmen als Gemüse, z. B. mit Lauch oder Zwiebeln. In der Back- oder Auflaufform braucht er Geschmacksverstärker, wie Zimt, Nelken, Vanille, Ingwer oder Anis. 

Apfelkonfitüre
Und was lehrt einen das Leben – die hässlichsten Strümpfe wollen nicht kaputt gehen, oder der langweiligste Apfelbaum trägt am Unermüdlichsten. Der Apfel kommt demzufolge in die Flasche, als Saft, natürlich auch aromatisiert oder als Likör. Aber was, wenn einem der hohe Pektingehalt ein Schnippchen schlägt? Pektin ist ein Polysaccharid, das in den Zellwänden von Pflanzen und Früchten vorkommt. Es wird zum Beispiel bei der Herstellung von Konfitüre als Geliermittel verwendet. Man muss mit Pektinase gegensteuern. Hier handelt es sich um ein Enzym, das aus Pilzen gewonnen wird und Pektin auflöst. Es mutet schon komisch an, wenn aus der Flasche nur Glibber rausdröbbelt. Versuch macht eben doch kluch! 
  
Apfelsaft
  Versuch macht klug, sagte der Teufel und setzte sich in die heiße Bratpfanne. (Sprichwort)

Was für Fahne … Bratfahne (viele Grüße aus Kalau)

Innenseite
Vorderseite
Genaue Rezeptangaben sucht man vergeblich, dafür Inspirationen zum Verarbeiten von Obst, Gemüse, Fisch oder Fleisch ohne Ende. Das besprochen Buch hat natürlich keine ISBN, allerdings gibt’s es vielfältige Möglichkeiten es im Antiquariat oder auf Online-Börsen zu ergattern. Für mich ist es Duden, Bibel und Lehrbuch in einem. Ich kann es allen Liebhabern guten Essens nur empfehlen.

K. Puhony
Natürlich konservieren
Prag Artia 1984, Pappband, gebunden 220 x 160 mm, 224 Seiten mit farbigen Abbildungen

Dies ist mein Beitrag zum 2. Blogevent Jeden Tag ein Buch von Arthurs Tochter.

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