Mittwoch, 11. Dezember 2013

Eine Insel mit zwei Bergen...



Nein, hier geht es nicht um den beliebten Song von Jim Knopf, einem Protagonisten von Michael Ende. In Sardinien gibt es auch sicherlich mehr als zwei Berge.

Bereits im Juni präsentierte sich das bezaubernde Sardinien mit einer Tour der Sinne im neuen Sardegna Store Berlin (Hausvogteiplatz 12, 10117 Berlin-Mitte). In einer interaktiven Ausstellung erfuhr der Sardinieninteressierte mehr über die Provinzen Cagliari, Oristano und Nuoro. Ein unkonventioneller Erlebnisparcours, der alle Sinne ansprach rundete das Bild ab. Düfte, Geschmäcker und Strukturen wurden mit Hilfe spannend haptischer Methoden präsentiert. Das Zirpen der Zikaden, der melancholische Klang des Bosaner Männerchors, das Wellenrauschen via Headset, wunderschöne Bilder davon via Video und Gesteinsbrocken und Korbwaren zum Betasten galt es zu erleben. Zum Verkosten standen Salsiccia, Formaggio und Dolci bereit. Der virtuelle Parcours durch Sardinien machte extrem neugierig, vor allem für eine Foodnärrin, wie mich.

Kürzlich lud die Italienische Handelskammer für Deutschlande.V. ins Al Contadino Sotto le Stelle zum sardischen Menü ein. Die Qualität meiner Fotos lassen auf Grund der spärlichen Beleuchtung im Restaurant leider etwas zu wünschen übrig. Es gab Salat mit rohen Artischocken aus Samassi, 

gefüllte Artischocken aus dem Ofen, und eine kleine sardische Wurst- und Käseauswahl. Dazu gibt es Pane carasau, ein papierdünnes, knackiges Fladenbrot aus Hefeteig und Pane Guttiau mit Olivenöl.
  Wein her! Ha! Wie erhebst du mir - Wein her! Ha! Wie belebst du mir Kehle und Magen!

Mit Kreuzdonnerwetter soll Gott mich erschlagen, Schluck´ ich einmal noch Wasser in all meinen Tagen!

(Sardischer Trinkspruch)



Vernaccia di Oristano, ein Sherry ähnlicher Wein, ist das passende Getränk zum Start und später zum Ziel Dessert. 
Sehr neugierig erregt eröffnete sich mir der nächste Gang: Fregola mit Meeresfrüchten (Fregola sarda mantecata alle delizie di mare). 
Und das war’s, worauf ich gewartet hatte! Kennengelernt hatte ich diese Pastasorte bereits im Juni und nun schließlich ergatterte ich sie bei Centro Italia. Dazu später mehr.

Weiter gab es Pasta mit Wildschwein (Malloreddus saltati con ragu di cinghial). Malloreddus sind sozusagen die sardischen Gnocchi, also eine Nudelart auf Basis von Hartweizengrieß. Die spezielle Form wurde den Nudeln durch das Quetschen des weichen Nudelteiges mit den Fingern an einem geflochtenem Korb gegeben. 
Danach folgten noch gebackener Lammrücken, Käse, Orangenterrine und Dolci, Amaretti sardi. 
Welch eine köstliche Völlerei! Glück kann man essen.


Mit ihren drei Goldarten wird Sardinien zu einer ganz besonderen Insel. Safran aus lokalem Anbau, Bottarga, gepresster, getrockneter Rogen der Meeräsche oder des Thunfisches aus eigener Produktion und sogar Gold aus eigenem Abbau zeichnen die Insel aus. Die Inselweine sind unterschiedlich, von leicht bis gehaltvoll. Als Digestiv fungiert gerne Mirto Bianco, ein trockener Likör, er wird aus den Blättern und Blüten der Myrte hergestellt, herb und köstlich.


 Wer den Menschen vertraut, macht weniger Fehler als derjenige, der ihnen misstraut.

Camillo Benso Graf Cavour (1810 - 1861), italienischer Staatsmann, ab 1852 Ministerpräsident des Königreichs Sardinien der 
»Bismarck Italiens«



Nun zu der speziellen Teigware: Fregola ist eine sehr alte traditionelle sardische Pastasorte. Direkt übersetz heißt Fregola übrigens Laich, Fisch oder Froschlaich, wie passend. Die spezielle Form bekommen die Pastakügelchen durch kreisförmige Bewegungen in einer Schüssel, s. Film. Anschließend wird die Pasta im Ofen geröstet, daher ist die Pasta farblich unterschiedlich hell, bzw. dunkel. Durch das Rösten bekommt die Pasta ein ganz besonderes Röstaroma. Traditionell isst man sie mit Köstlichkeiten aus dem Meer. Da dazu auch unterschiedlichste Muscheln gehören, kommt diese Variante für mich nicht wirklich in Frage. Wer, wie ich, einmal eine „Falsche“ verkosten durfte, kann meine Abneigung sicherlich nachvollziehen. Krustentiere gehören aber definitiv nicht zu meinen „no goes“. Was liegt da näher als Scampi, also Krebstiere resp. Kaisergranat oder Shrimps, also Garnelen (die mit den Fühlern und Antennen), oder hier Gambas zu verarbeiten.


Ich bin ein wirklich großer Fan der Balearischen Inseln und ihre Küche. Tauchen mit den dicken Zackenbarschen, Erkunden von Grotten und Höhlen unter Wasser  und die spanische Küche bereitet mir große Freude.


Auf meiner „To Travel Liste“ für 2014 steht Sardinien nächstes Jahr allerdings gaaanz weit oben. Die Strände sollen zu den schönsten am Mittelmeer gehören. Die duftende Macchia will ich erleben. Die aromatische Küche Sardiniens will ich vor Ort schmecken. Man (Frau) wird eben alt wie eine Kuh und lernt immer noch dazu.

Sardinen, da will ich hin!



Hier mein Rezept:

Fregola sarda mit Garnelen, Fregola sarda con gamberi von Doc.Eva



Zutaten

300 g           Fregola (sardische Pasta)

300 g           Riesengarnelen, geschält, entdarmt

125 g           Zuckerschoten, schräg zerteilt

125 g           Kirschtomaten, in Spalten geschnitten

1 Bd            Frühlingszwiebeln, schräg zerteilt

2 Ze             Knoblauch

300 g           Tomaten, Dose

100 ml         Sahne

50 ml           Gemüsefond

100 ml         Weißwein

2 cl              Cognac

2 Tl             Puderzucker

                   Salz

                   Pfeffer, schwarz

                   Basilikum



Zubereitung

Zuckerschoten, Möhre und Frühlingszwiebeln (etwas zur Deco zurückhalten) waschen, vorbereiten und blanchieren. Garnelen waschen, ggf. schälen und trockentupfen.

Puderzucker hell karamellisieren, mit Weißwein und Cognac ablöschen. Etwas einköcheln und mit Sahne und Gemüsefond auffüllen. Mit Knoblauch, Salz und Pfeffer abschmecken. Fregola in viel Salzwasser bissfest garen.

Gemüse und Garnelen in der Sauce garziehen lassen. Zuletzt Tomatenspalten und Basilikumblättchen hinzufügen. Nochmals abschmecken.



Anrichten

Garnelen mit Sauce vorsichtig unter die Fregola heben und auf Tellern vorsichtig anrichten. Mit Basilikum dekorieren. Sollten zufällig noch einige Krakearme vom Vortag in der Kühlung sein, die passen auch hervorragend dazu.



Lasst‘s euch schmecken!
 

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