Samstag, 11. Januar 2014

Was macht die Gendarmerie auf hoher See?


Zitronengrassuppe mit Großgarnelen von Doc.Eva

Der 31. Dezember, der letzte Tag des Jahres, Silvester kommt 1. immer so plötzlich, ähnlich X-Mas oder Geburtstag und 2. wie verbringt man diesen besonderen Tag?
Ich entschied mich 2013 für eine Kreuzfahrt zu dem eindrucksvollsten Feuerwerk der Welt! 

Pyrotechnische Licht- und Geräusch-Effekte mit Leuchtsternen, Heulern, Saluts und Cracklingsternen gibt es überall auf der Welt seit der Erfindung des Schwarzpulvers in China. Bereits in der Sung-Zeit (960-1279) flogen bei den Chinesen bereits die ersten Raketen. Das erste Wochenende im September gehört alljährlich in Berlin definitiv zu den save-the-dates. Die Pyronale in der Hauptstadt zählt mit zu den spektakulärsten Pyro-Events.
Das Feuerwerk auf Madeira, das Sylt der Portugiesen, am Silvesterabend hingegen hält den Guinness-Weltrekord für das größte Feuerwerk. Die Blumeninsel besticht durch milde Temperaturen und tolle Landschaften, was liegt näher als mit dem Wind in den Haaren dieses sensationell choreographierte Ereignis von der Seeseite her zu erleben. Beendet wird das gigantische Spektakel mit den ohrenbetäubend brummenden Hupen der Ozeandampfer, dieses Jahr 12 an der Zahl, die im Hafen oder auf Reede lagen – und icke auf MeinSchiff 1
Um Mitternacht ist es endlich so weit: Überall in Funchal werden zeitversetzt die Feuerwerkskörper gezündet. Es war einfach überwältigend, gigantisch, grandios – diese Farbenpracht. Zum Finale gibt es regelrechtes Flashlightgewitter. Es flackert, tost und donnert über die ganze Bucht. Dieses Feuerwerk ist das Schönste, dass ich je erleben durfte, sehr zu empfehlen  - Erpelpickel am ganzen Laib.


Mit self-fulfilling prophecy (engl.=  selbsterfüllende Prophezeiung) wird ja ein Phänomen beschrieben, dass ein erwartetes (prophezeites) Verhalten möglicherweise weitestgehend eintritt. So stand auf der Kreuzfahrt ziemlich zügig fest, dass ein Kochduell mit dem Schiffskoch Felix Ruegge, coram publico, mein zweites Highlight werden würde. Glücklicherweise trat das Pendant - Phänomen die self-defeating prophecy ( engl. = selbstzerstörende Prophezeiung) nicht ein: Ich musste nicht des nächtens zuvor im eiskalten Atlantischen Ozean nach dem Hummer tauchen.
Aus einem großartigen Warenangebot galt es auszuwählen, ein Rezept zu eruieren und dieses in 20 Min. zuzubereiten. Das ähnelte dem ZDF Format Topfgeldjäger (TGJ), das auch meine Kochvita bereichert. Ich entschied mich also für den Hummerschwanz und allerlei Obst und Gemüse. 
Never change a winning team ist zwar eine These aus dem Fußball, ähnlich wie never change a running system aus der IT-Branche, aber ein Süppchen, mit dem ich schon einige Preise einheimsen konnte kam mir hier doch sehr gelegen. Mir standen Ananas, Bananen und Papaya und ein leider recht geschmacksneutralen Geflügelfond zur Verfügung. Ich empfehle doch das Originalrezept nachzukochen. Die Interpretation auf See fand ich so prickelnd denn doch nicht. Für den Sieg hat’s gelangt.

Besuche auf den lokalen Märkten angelaufener Häfen lassen einem ohnehin das Wasser im Munde zusammen laufen. Besonders das örtliche Krustentierangebot verführt mich immer wieder zu Tagträumen lukullischer Art.


Im Originalrezept werden Großgarnelen, aufgefädelt auf ein Spießchen, als top adding gereicht - Stücke vom Hummerschwanz sind ja nicht die schlechteste Alternative.

Alle sitzen ums Lagerfeuer, nur nicht Lieschen, die hängt am Spießchen.

Wer seinen Gästen zu Hause eine ganz außerordentliche Zugabe zu Teil werden lassen will, dessen Entscheidung sollte für die Gamba Carabiniera, eine Tiefseegarnele fallen. Diese absolute Rarität besticht nicht zuletzt durch ihre Farbe. Die feuerrote Tiefseegarnele ist eine echte kulinarische Kostbarkeit. Gourmets schätzen sie für ihr festes, saftiges und nussig-mild schmeckendes Fleisch – aber … sie hat ihren Preis. Warum allerdings die italienischen Gendarmen ihre Namensvetter sind konnte ich bislang leider nicht herausfinden.

Meiner speziellen Zuneigung (dem Kochen) geschuldet, widme ich mich lieber dem Feuerwerk des Gaumenkitzels – hier z. B. der Zitronengrassuppe mit Großgarnelen. Dazu hier ein Auszug aus meinem Buch, Dental Food:
Mit diesem Rezept hat Lotte sogar schon einen Kochwettbewerb  gewonnen. Sowohl Zitronengras, als auch Limettenblätter sind eigentlich zu hart und zu zäh um mitgegessen zu werden. Deshalb klopft man die Stiele des schilfähnlichen Grases ordentlich mit dem Fleischhammer oder dem Messerrücken damit das Aroma austreten kann. Die Limettenblätter kann man auch vorbehandeln indem man sie rollt oder knetet. Leonie berichtet uns, dass im Asiamarkt ihres Vertrauens keine frischen Kaffir Limettenblätter mehr zu bekommen sind. „In Asien werden die Blätter des Kaffernlimettenbaumes gekaut um sich zu berauschen“, erzählt die weitgereiste Eli. „Vermutlich geht der Wirkstoff beim Trocknen oder Frosten verloren, am Geschmack ändert das Tiefgefrieren allerdings nichts“, antwortet Lotte.
Nach dem Abpassieren sollte das pürierte Obst nur noch erhitzt werden. Die Suppe darf nicht mehr kochen. Zügig werden die Krustentiere von Schale und Darm befreit, und auf die Bambusspieße aufgereiht. Herta gibt ihre Erfahrungen als Fleischfachverkäuferin gerne zum Besten. „Wir haben die Holzspieße für Schaschlik immer eingeölt, dann haftet das Fleisch nicht am Spieß“. Ein guter Rat, das wird bei Bambus nicht anders sein.
Und hier folgt das Originalrezept:
Zitronengrassuppe mit Großgarnelen von Doc.Eva

Zutaten
300 ml         Geflügelfond
150 g           Sahne
150 ml         Kokosmilch
6 cl              Nolli-Prat
6 cl              Portwein, weiß
6 cl              Wein, weiß
4 Stck          Zwiebeln, gewürfelt
½ St            Lauch, in Ringe geschnitten
3  St            Zitronengras
2 Stck          Limettenblätter
60 g            Butter, kalt
Salz
4 El             Ananasstückchen, frisch
1 Stck          Pfirsich, geschält
6 Stck          Aprikosen, geschält
12 Stck        Garnelen

Zubereitung
Erst Zwiebeln dann Lauch in Butter glasig dünsten. Mit den alkoholischen Flüssigkeiten  nach und nach auffüllen und reduzieren.
Mit den restlichen Flüssigkeiten auffüllen. Mit Zitronengras und Limettenblättern 20 Min. köcheln, dann abpassieren. Das frische Obst separat feinst pürieren und in die Suppe geben. Garnelen kurz in der Butter anschwitzen.

Anrichten
Suppe in ein geeignetes Gefäß geben. Garnelen, auf einem Bambusspieß arrangiert, darauf anrichten.
Bei Bedarf, kann die Suppe auch vorher aufgeschäumt werden.

Lasst’s euch schmecken

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