Sonntag, 2. März 2014

Mudda sticht sich ein Tättoo



Nein natürlich nicht mir, sondern meinem Fleischstück auf dem Teller. Sechs Stunden rockte die Küche … und ich war dabei! 
Die Kochbox by Kitchen Rebellion Eventcatering GmbH ist für verrückte, rebellische und unkonventionelle Kochpraktiken unter Köchen und Hobbyköchen weit über die Grenzen Berlins hinaus bekannt. Am Food-Tattoo-Event in der Kochbox wurde praktiziert, was man alles aus Gemüse, Fleisch und Co. zaubern kann. Das Team bemüht sich mit kreativem Tenor traditionelle Küche mit innovativer und moderner Küche zu verflechten. Frei nach ihrem Motto „Rock ‘n Roll in Töpfen und Pfannen“ setzen sie ihre eigenen Maßstäbe, übrigens mit passender Musik unterlegt. Mir persönlich hatte sie ruhig lauter und härter rüber kommen können, aber Kommerz ist ja immer auch mit Anpassung und Zugeständnissen gepaart, jeder Selbstdarsteller, äh Selbstständige weiß davon ein Liedchen zu trällern. Aber zurück auf Anfang:
Pünktlichkeit ist eine Zier,
doch weiter kommt man ohne ihr.
Volksmund
Lockerheit in der Freizeit hat ja WAS, aber wenn man denn schon einen Kochkurs bucht und der auch noch mitten in der Hauptstadt stattfindet, so wäre es mein Wunsch, dass die Gäste sich auch an den Starttermin halten! Das Zuspätkommen empfinde ich persönlich nicht nur als unhöflich sondern den Gastgebern gegenüber auch in hohem Maße respektlos. So wartete man bei freundlich und üppig servierten Getränken auf das Startsignal – das eine oder andere Häppchen hätte dem leeren Magen da sicher gut getan.
Die Brühe für das Chicken-Teriyaki-Schwarzbier mit Sesamschaum (1.Gang) war glücklicherweise längst am köcheln, Galgant, Zitronengras und Schwarzbier etc. kamen noch dazu. Im Bierseidel würde das würzige, mouthburnig Gesöff zusätzlich mit Sesamschaum getoppt - eine köstliche Idee, unkonventionell serviert. 






Der zweite Gang, Lachs-Kartoffel-Krokette mit Petersilienpesto und Tomatenschlotz war recht arbeitsintensiv: Kartoffeln schälen ausstanzen und braten. Lachs farcieren und pochieren, Cocktailtomaten halbieren, marinieren und köcheln, Petersilienpesto herstellen. Lachs-Kartoffel-Krokette basteln, panieren und frittieren. Zum Glück war der Starterdrink nicht nur ein Shooter sondern ein Humpen, denn zum Verkosten taugen rohe Kartoffeln und rohe Lachsfarce nicht wirklich. Der fertige, sehr hübsch anzusehende Gang erfüllte dann den Sättigungsbedarf aufs Gänzlichste, unkonventionell und schmackhaft. 




 
Gang drei, tätowiertes Kalbsmäusle mit Gemüse Bouquet „23 Karat“ xxx, sollte das Highlight des Abends werden. Und so tätowierte ich mein Kalb mit einer richtigen Tattoonadel, übrigens mit Hilfe von Sepiatinte. Inspiriert durch das Teufelchen von César Manrique, das einem auf Schritt und Tritt auf der Kanareninsel Lanzarote begleitet, bannte ich eben diesen in sehr abgespeckter Form und sehr frei interpretiert auf das bereits, im Niedertemperatur gegarte, Fleischteil.


Bei dem Sößchen wurde wirklich absolut alles gegeben! Die Grandjus aus Knochen, Parüren und Mirepoix, nein nicht Mürpa, sowie Tomatenmark und Rotwein blubbert beruhigend über den ganzen Zeitraum in einem großen Topf vor sich hin bevor sie via Abschmecken zum Hochgenuss mutierte. 50 Gramm dunkle Schokolade machten sie perfekt. Das Gemüse Bouquet dazu bestand aus einem Kohlrabi Körbchen, mit Rote Beete Kartoffelstampf tournierter Möhre und Zucchini, Brokkoliröschen und gelber Tomate. Goldstaub verhalf ihm ins „23 Karat“ xxx Niveau.


Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei
Stephan Remmler

Das Dessert las sich zunächst mal recht experimentell: Cookies & Cream Mortadella mit Himbeereis – einfach genial! Die Stücke in der Mortadella bestanden aus Schoko Cookies und einer vorab gelierter Pannacottaart. Die Basis gelierte dann erst nachdem der Mix im Wurstsack abgedreht wurde – sensationell. Himbeereis aus TK Mark, opoeng, oh, aux point, gab den nötigen Säurekontrast. 



 

In geselliger Runde wurde step by step das selbst zubereitete Menü im barock angehauchten Speisesaal mit Haut und Haaren verputzt. Kritik schlummerte in den Gesprächen der Gäste, dem Einen war‘s zu rockig, dem Anderen zu leise, über- oder unterwürzt oder das Gemüse zu sehr al dente, na ja, chacun à son goût. 

Warum besuche ich eigentlich immer wieder Kochkurse?
Es macht Spaß,
Man lernt oftmals nette Leute kennen und
Frau wird alt wie eine Kuh und lernt immer noch dazu!


Mein Dank geht an das professionelle Team der Koch Box für die wertvollen Tipps und Inspirationen und den köstlichen und unterhaltsamen Abend – good luck 4 u all!

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