Montag, 21. April 2014

Lust auf Erdbeeren?





François Villon, aus: Die lasterhaften Balladen des François Villon
Coup Erdbeer-Malakoff, skelettiert
Wer kennt sie nicht, die Laiche die mit regelmäßiger Wiederkehr in den Edgar-Wallace-Filmen aus den 1960er Jahren aus dem Schrank fiel. Gerne wurde Klaus Kinski von Eddi Arendt entdeckt, der sich immer so herzerfrischend erschreckt hat. Auch der Titel der Kinski Biographie bediente sich der Erdbeermund Textzeile. Und wer hat diese Worte nicht alles vertont? Culture Beat, Franz Ferdinand, Jerome Jerkins und viele mehr. Die legendären Beatles besungen einst Erdbeerfelder, allerdings ging es hier um ein Waisenhaus in Liverpool, resp. dessen Grundstück.





Lennon/McCartney (Beatles)
Erdbeeren (Fragaria)
Botanisch gesehen ist die Erdbeere (Fragaria) eine Staude aus der Rosenfamilie (Rosaceae) und gehört zur selben Familie wie Äpfel, Kirschen und Quitten etc..
Mein Erdbeerbeetchen im Garten ist mir heilig, ganz besonders auch nach der Ernte. Mit Hilfe der Erdbeerblätter lassen sich nämlich wunderschöne Biedermeiersträußchen umkränzen und ersetzen bei mir die artifiziellen Biedermeierstrauß-Manschetten. Er ist eine besondere Variante von Blumenstrauß und hebt sich von allen anderen Sträußen und Bouquets ab. Seinen Name hat er aus der gleichnamigen Kunstepoche des 19. Jahrhunderts. Selbstverständlich kann man sich auch einen Erdbeerblätter-Tee zubereiten. Helfen soll er ja gegen fast alles - Durchfall, Fieber, Erkältungen, Gelbsucht, Harnwegs- und Nierenerkrankungen, Lebererkrankungen, Nervosität, Nierengrieß und Rachenentzündung – wichtig: Dran glauben!
Erdbeeren (Fragaria)
 Ein Ehepaar aus der Stadt fährt im Auto übers Land.
Da sehen sie einen Bauern auf der Straße Pferdeäpfel zusammenkehren.
Fragt der Mann den Bauern: "Guter Mann, wofür brauchen Sie die
Pferdeäpfel?"
Antwortet der Bauer: "Die kommen auf die Erdbeeren!"
Sagt der Mann zu seiner Frau: "Siehste, es muss nicht immer Schlagsahne sein!"

200 g Erdbeeren decken den Tagesbedarf eines Erwachsenen an Vit C. Auch findet sich in Erdbeeren viel Folsäure, die für Schwangere wichtig ist. Mit ihrem Anteil an Kalzium, Kalium, Eisen und Kupfer beinhalten Erdbeeren diverse Mineralstoffe. Ihre winzigen Kerne enthalten viel Zink, und das wiederum fördert (neben zahlreichen anderen guten Eigenschaften) die Libido, also das sexuelle Verlangen – wie war das doch mit dem Erdbeermund?
Warum sind Eisbären weiß?
Wenn sie rot währen würden sie Erdbeeren heißen!

Wenn nun aus einer kleinen Eskapade oder Affäre eine Liaison oder Verschmelzung entsteht, dann waren es früher unglücklicherweise oftmals bewaffnete Auseinandersetzungen, die dafür verantwortlich zeichneten. Das zeigt sich auch bei Speisen oder Gerichten; so der Krimkrieg 1854/55. Der Herzog von Malakoff, eigentlich General Pélissier, bekam seinen Titel für seine vielen glorreichen militärischen Siege von Napoleon III. Über die Jahre entwickelten sich Gerichte, wie Malakoffs, eine Käseschnitte aus dem Kanton Waadt oder Schweizer Käsebällchen. Ganz nebenbei hat auch eine französische Gemeinde, nördlich von Paris dessen Namen als Hintergrund, ihre Einwohner heißen übrigens Malakoffiots.
Auch die Malakoff Torte, auch Malakow oder Malakov, verdankt diesem Herzog ihren Namen. Im Original handelt es sich um eine Charlotte, also eine Süßspeise, die in einer Form zubereitet wird, die mit Löffelbiskuits oder Biskuitscheiben ausgelegt wird. Marie-Antoine Carême nannte seine Dessertkreation Charlotte à la parisienne, die später in Frankreich Charlotte russe genannt wurde – aha, russisch…

Für meinen Geschmack darf noch etwas Säure in Form von Erdbeeren die Komposition bereichern. Der Biss der gerösteten Mandelblättchen, die herzerwärmende Schokolade, die fluffige Schlagsahne, der aromatisierte Biskuit, die vanillige Creme und die mit dem würzigen Palmzucker marinierten Erdbeeren, das ist für mich die optimale Liaison oder Verschmelzung von Aromen und Haptik. Palmzucker ist weniger süß und hat einen leicht malzigen oder karamellartigen Beigeschmack. Glücklicherweise ist die Zubereitung äußerst einfach, also für jedermann geeignet.

Für viele Personen, Familienfeiern o. Ä. eher rustikaler Natur, befülle ich eine große flache Servierschale, oder ein hohes Blech mit den einzelnen Komponenten. Das macht die feuchte Angelegenheit auch gut transportfähig.

Für besondere Gelegenheiten müssen mal wieder meine kleinen Gläschen oder Trinkgläser aus dem schwedischen Möbelhaus herhalten. Zu außerordentlichen Anlässen kommen auch schon mal die Kristallgläser zum Einsatz.

Hier kommt mein Rezept zu
Coup Erdbeer-Malakoff von Doc. Eva
Zutaten
250 g           Erdbeeren, gewaschen, entstielt
2 El             Palmzucker
12 Stck        Löffelbiskuit
3 El             Rum, braun
6 El             Orangensaft
250 g           Vanillepudding
40 g            Mandelblättchen, geröstet
40 g            Bitterschokolade, geraspelt
125 ml         Schlagsahne, nach Geschmack

Vanillepudding
½ Stck         Vanilleschote
1/2 l            Milch
80 g            Zucker
40 g            Speisestärke
3 Stck          Eigelb (Größe M)
1 Pr             Salz

Zubereitung
Vanilleschote längs einschneiden und das Mark herauskratzen. Milch, Salz, Vanillemark und -schote für in einen Topf geben und aufkochen (4 El Milch abnehmen). Restliche Milch, Zucker, Stärke und Eigelb verrühren. Vanilleschote herausnehmen. Die Eigelb-Mischung mit einem Schneebesen unter Rühren in die kochende Milch gießen. Vanillepudding 3-4 Min. sanft weiterköcheln. Ein einer Schüssel abkühlen lassen.
Erdbeeren würfeln und in Palmzucker marinieren, 3 Stck halbieren und für die Deko bei Seite legen. 6 Gläser mit zerbröselten Biskuits füllen. Rum mit O-Saft vermischen und aufgießen. Erst Erdbeeren, dann Vanillepudding darauf löffeln.

Anrichten
Nach Geschmack Sahne aufspritzen. Mit Mandelblättchen und Schokoraspeln bestreuen und mit Erdbeerhälfte dekorieren.
Lasst’s euch schmecken



Dies ist mein Blogbeitrag für Simone Ef von S-Küche: Aprilfrisch! Das regionale Blogevent
 

Aprilfrisch - das regionale Event von S-Küche (Einsendeschluss 1. Mai 2014)
  

 ...jetzt auch im Onlinemagazin von Château et Chocolat, danke Dorit Schmitt für die Veröffentlichung 



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