Gelo di rafano

In meinem letzten Blogpost hatte ich euch in eine wunderschöne Region in Deutschland unweit der Hauptstadt entführt, dem Spreewald. Ein Kleinod auf dem Koch-Buchmarkt gibt es dort auch zu gewinnen. Heute habe ich ein Rezept für eine außergewöhnliche Vorspeise am Start: Gelo di rafano oder frei übersetzt Meerrettichpudding. Aber lest und schaut doch einfach selbst …
Die VorspeiseEine Vorspeise (franz. = entrée) ist eine kleine Speise, die vor dem Hauptgericht verzehrt wird und den Appetit anregen und den größten Hunger dämpfen soll. Der Begriff Vorspeise kommt aus der klassischen Speisenfolge. Man unterscheidet grob zwischen warmen und kalten Vorspeisen. Im klassischen Menü kommt der erste Gang aus der kalten Küche, die warme Vorspeise, ursprünglich das Voressen, stellt das Bindeglied zwischen Suppe und Fisch- bzw. Hauptgang. Als Vorspeise werden meist leichte, appetitanregende Gerichte gereicht, die relativ schnell zuzubereiten sind, um möglichst schnell serviert werden zu können. Hä…

Quarkkeulchen, eine Sächsische Leibspeise

Ich hatte den Jahreswechsel im warmen Ägypten verbracht. Tauchen und Schlemmen, die Sonne genießen und neue Freundschaften schließen – genau mein Ding. Der Januar ist dann wieder lang, gemeint sind zu viele Tage für zu wenig Geld im Portemonnaie, also wird die Küche preiswert. Ich habe da mal, wie versprochen, ein sächsisches Leibgericht für euch: Quarkkeulchen!
Sonnenaufgang über dem Roten Meer

Die Quarkkeulchen

Die Erklärung

Landestypische Kochtraditionen entstanden in allen Regionen und Landschaften dieser Welt, so auch in Sachsen, wobei auch von Ort zu Ort und sogar von Familie zu Familie unterschiedliche Essgewohnheiten und Zubereitungsweisen existieren. Der Dialekt der Sachsen hat ja auch so seine Eigenheiten mit den damit verbundenen Verwechslungsmöglichkeiten, z. B. auf dem auf dem Standesamt bei der Namensgebung des Neugeborenen:
Un wie solln nu dähr Gleene heeßn?
Nu, mir dachdn an Dangkward!
Also, heern Se, seinen Nahm will ich wissn, nich, wasser mal warn soll!

Und, wie soll der kleine nun heißen?
Nun wir dachten an Dankward.
Also hören Sie, seinen Namen will ich wissen, nicht was er mal werden soll.
Quarkkeulchen
Dennoch zeigen die sächsischen Regionalküchen typisch mitteldeutsche Eigenarten: Sie sind eher deftig, bieten vielerlei Soßen zu Hauptgerichten und der Kloß wird anderen Beilagen oft vorgezogen. Quarkkeulchen (mitteldeut. Kaule = Kugel) waren nicht nur in der ehemaligen DDR ein echter Hit, auch heute wird die süße Leckerei von Groß und Klein heiß und innig geliebt. Es sind flache, in der Pfanne gebratene Klößchen aus Quarkteig, die in Form und Größe flachen Frikadellen ähneln. Somit erinnern die Keulchen zwar optisch an Pfannkuchen, aber besonders im Geschmack werden sie erst durch die enthaltenen Kartoffeln.

Der Quark

Quark oder Weißkäse ist das aus der Milch durch Zugabe von Lab oder durch bakterielle Bildung von Milchsäure ausgefällte Milcheiweiß (Casein). Die von den geronnenen Milchbestandteilen getrennte Flüssigkeit, die Molke, wird durch Auspressen und Filtrieren mehr oder minder gründlich entfernt, so dass Quark eine weiche bis krümelige Masse bildet. Quark hat weder etwas mit Mascarpone oder sonstigem Frischkäse zu tun und ist eigentlich nur im Deutschsprachigen Raum erhältlich. Speisequark wird hauptsächlich durch Milchsäurebildung oder unter Zugabe geringer Mengen Labenzyms dickgelegt. Über unsere Grenzen hinaus muss man sich seinen eigenen Quark zubereiten. Diesen kann man auf verschiedene Art und Weisen herstellen. Man benötigt nur zwei Zutaten, 1 l Frischmilch und 75 ml Buttermilch und erhält am Ende ungefähr 250 g Quark.
Quarkkeulchen

Das Kochen mit Kindern

Ich bin in der glücklichen Lage bereits zwei Enkelkinder zu haben. Der dreijährige P. ist bereits mein gelehrigster Kochschüler. Mit 1 ½ Jahren hat es mal kurz in die warme Pfanne gefasst. Nun ist er umsichtig und vorsichtig und hat sich seit dem weder mit meinem rattenscharfen PORSCHE type 301 Messer verletzt, noch jemals mit irgendeinem anderen Küchengerät. Oma sein bedeutet schließlich Zeit mit der nachwachsenden Generation zu verbringen und wenn, dann ausschließlich! Naschen ist natürlich auch immer erlaubt. Die Küche gleicht anschließend so manches Mal einem Schlachtfeld – was soll’s! Gerade das Zubereiten der Quarkkeulchen hat ihm besonderes Vergnügen bereitet.
Mit dem Handmixer durch den Teig pflügen, das kostete Kraft und den Umgang mit Puderzucker liebt er besonders.
Ich habe dazu ein Glas meines selbstgemachten Pflaumenmuses geöffnet und der Schlemmerspass konnte beginnen.
Da das Wetter im Januar nicht ganz so schön ist in der Großstadt habe ich etwas Sommerliches zur Vorfreude für die Ohren mitgebracht:
Tiempo de solea
Ojos de brujo
Hier kommt das Rezept zu Quarkkeulchen aus meiner Familie.
 

Das Rezept

Quakkeulchen von Doc.Eva
Zutaten

  • 600 g Kartoffeln, gekocht, durchgepresst
  • 250 g Quark, 20% Fettgehalt
  • 100 g Mehl
  • 4 El Zucker
  • 3 Stck Eier
  • ½ Tl Zitronenschalenabrieb
  • Butterschmalz zum Ausbraten
Zubereitung
  1. Alle Zutaten zu einem glatten Teig verarbeiten. 
  2. Handteller große und 1 cm dicke Keulchen formen. 
  3. In Butterschmalz sanft ausbraten.
Anrichten
  1. Mit Puderzucker berieseln und mit Pflaumenmus o. Ä. servieren.
Quarkkeulchen
Lasst’s euch schmecken!

Beliebte Posts

Gelo di limone

Der Spreewald im November

Taste The World

Mein Marmorkuchen aus Kastanienmehl

Usedom im Herbst

Gelo di rafano

Mit viel Herz und Verstand