Kaliningrad heißt das Ziel


In meinem letzten Blogpost hatte ich euch von meinem Aufenthalt in Danzig berichtet. Heute bleibt meine neue Berliner Küche unter dem Dach schon wieder kalt. Ich habe Kaliningrad besucht - das wird ein langer Bericht, aber lest doch einfach selbst …
 

Eine Reise nach Kaliningrad 

Die Anreise


Was für ein Abenteuer! Mit dem polnischen Reisebus ging es von Danzig aus mit der Linie 700 über die polnisch/russische Grenze am Grenzübergang 
Grzechotki-Mamonowo in die russische Enklave Kaliningrad, ehemals Königsberg. Die Fahrt dauert nur knapp drei Stunden … theoretisch praktisch … naja. Für die Grenzüberschreitung sind selbsterklärend ein Pass, ein Visum und ein gültiger Krankenversicherungsnachweis für Russland von Nöten. Dass das Smartphone nicht einmal mit einer russischen SIM Karte funktionieren würde stellte sich bald heraus. Wie gut, dass zu unserer illustreren kleinen privaten Reisegruppe ein Teilnehmer der russischen Sprache mächtig war, sonst wären wir komplett lost (engl. = verloren). Tja, wenn einer eine Reise unternimmt, dann kann er was erleben. Meine angeheiratete Großmutter väterlicherseits berichtete, dass in dem Korridor mit dem Zug von Deutschland nach Deutschland durch Polen vor dem Krieg die Fenster verdunkelt wurden. Und wieder säumte blühende Rapsfelder den eher unbewohnten Weg. Blauer Himmel, gelbe Felder und das frische Grün der Büsche … eine Augenweide. Etwa Musik zum Einstimmen?
Kalinka (Калинка) 
Henrik Lundkvist
Nachdem alle Teilnehmer nach gut acht Stunden den Busbahnhof in Kaliningrad erreicht hatten fuhren wir mit dem Taxi nach Svetlogorsk, ehemals Rauschen. Alle Autobahnen sind in Russland tatsächlich nachts beleuchtet. 

Das ehemalige Ostseebad Rauschen

Rauschen ist der historische deutsche Name der heutigen Stadt Swetlogorsk an der Ostsee in der russischen Exklave Kaliningrad. Bis 1945 gehörte Rauschen zu Ostpreußen und war neben Cranz (heute Zelenogradsk) eines der bekanntesten Seebäder der Region. Seit dem 19. Jahrhundert avancierte  es zu einem beliebten Kur- und Badeort für die Bewohner von Königsberg. Die Stadt wurde im Zweiten Weltkrieg vergleichsweise wenig zerstört, weshalb viele Villen und Gebäude aus der deutschen Zeit erhalten geblieben sind.

Das Wahrzeichen ist der historische Wasserturm Rauschen aus dem frühen 20. Jahrhundert.  1947 erhielt die Stadt den russischen Namen Swetlogorsk. Hier schon mal ein Vorgeschmack auf das Essen auf der Reise: Besser habe ich selten gegessen! Aber davon später mehr.  Das erste Frühstück nahmen wir im Lev Borodinsky in der Ulitsa Lenina, 27a, Svetlogorsk, Kaliningrad Oblast, 238560 ein fantastisch!

Übrigens: Die Speisekarte liegt, wie überall auf unserem Weg, ausschließlich in russischer Sprache vor. Von der Aussichtsplattform in Морской б-р, 19, Svetlogorsk, Kaliningrad 
Oblast, 238560 gelangt man man mit dem Fahrstuhl ca. 25 Meter hinunter zum schier endlosen Sandstrand und das verschafft einem schon mal einen Eindruck von der Dimension der Küste mit großer Vorfreude auf das UNESCO Welterbe Naturdenkmal Kurische Nehrung.


Eine illustre 2 Personen Seilbahn wäre hier das alternative Transportmittel.

Das ehemalige Ostseebad Cranz

Gehört ihr eher zu Team Hund oder Team Katze? Dann seid ihr hier genau richtig. Das heutige Selenogradsk ist ein Kur- und Badeort an der Samlandküste in der russischen Oblast Kaliningrad, im ehemaligen Ostpreußen und die inoffizielle Katzenhauptstadt Russlands. Die frei lebenden Straßenkatzen prägen das gesamte Stadtbild und werden liebevoll von den Einwohnern gepflegt. In der ganzen Stadt, besonders an der Strandpromenade und in der Fußgängerzone, finden sich Automaten, an denen man Futter für die Tiere kaufen kann. Die Stadtverwaltung hat sogar eine Katzenbeauftragte, die sich um das Wohlergehen und die medizinische Versorgung der streunenden Samtpfoten kümmert.

Sehr empfehlenswert ist das Restaurant BALT - a Lesson in Harmony - in Kurortniy prospect, 16 in Zelenogradsk, Kaliningrad Region und meine erste Begegnung mit Stroganina.
Aber auch davon später mehr. 

Die Kurische Nehrung 


Die Kurische Nehrung ist eine knapp 100 Kilometer lange, schmale Landzunge aus Sanddünen an der Ostsee. Sie trennt das Kurische Haff von der offenen Ostsee. Das UNESCO Welterbe Naturdenkmal ist an Naturschönheit kaum zu überbieten.

Zwischendurch etwas zum Schmunzeln: Am Strand fragt eine ängstliche Urlauberin: 
Gibt es hier giftige Quallen oder Seeigel?
Aber nein, die Haie haben die längst verspeist!


Da die Landschaft dem ständigen Wind und der Meeresströmungen ausgeliefert ist wurde sie im 19. Jahrhundert aufgeforstet, um die Wanderdünen zu stabilisieren und das Versanden von Dörfern zu verhindern. Ein Spaziergang im Tanzenden Wald (Kosa Park) ist beeindruckend.

Selbsterklärend gab es dort Fisch in allerlei Variationen auf die Hand zu probieren. 

Kaliningrad

Mit dem Zug ging es von Swetlogorsk schlussendlich nach Kaliningrad, das ehemalige Königsberg, zurück. Trotz der starken Zerstörungen sind noch Spuren des alten Königsbergs sichtbar, wobei die schnurgeraden Kastanienalleen besonders auffällig sind.

Auf der Kant-Insel (russ. = Ostrow Kanta) befindet sich der berühmte Königsberger Dom mit dem Grab von Immanuel Kant und eine gigantische Streefood Meile.
Ein Besuch des Zentralmarktes (russ. = Tsentral’nyy Rynok) darf natürlich nicht fehlen! Hier gibt es frische Lebensmittel, Fisch aus der Ostsee, Fleisch, Obst, Gemüse, Gewürze sowie typische regionale Produkte in Hülle und Fülle.


Womit wir beim Essen angekommen sind. 

Das Essen 

So gut wie auf dieser Reise habe ich wirklich selten gegessen. Die Sowjetunion (UdSSR) war ein sozialistischer Staat in Osteuropa und Nordasien, der von 1922 bis 1991 existierte. Dazu gehörten: Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Estland, Georgien, Kasachstan, Kirgisistan, Lettland, Litauen, Moldau, Russland, Tadschikistan, Turkmenistan, Ukraine und Usbekistan. Es ist demzufolge nicht verwunderlich wenn zahlreiche unterschiedliche regionale Küchen auf den Tellern und in den Gläsern zu finden sind. Das Spektrum reicht von gefrorenen rohen Fisch (Stroganina), diversen Fischsuppevarianten (Ucha) und Emmer statt Reis als Risotto über Kljukwennyj Sirop (Moosbeerensirup), der als Basis für Kaltgetränke oder Tee Verwendung findet und Polugar (Brotwein), der Ursprung des Wodkas und Hrenowucha, ein Schnaps auf Meerrettichbasis. Vom fantastischen Frühstück im Lev Borodinsky hatte ich weiter oben bereits berichtet.
Die Kette betreibt mehrere Filialen in und um Kaliningrad sowie in den umliegenden Badeorten - sehr zu empfehlen. 
Das Restaurant BALT in Kurortniy prospect, 16, Zelenogradsk in Kaliningrad Oblast ist eine Offenbarung! Durch die offene Küche, in der es von Personal wimmelt, sieht man spannend angerichtete Teller. Das Interieur, die Freundlichkeit des Personals und schließlich die Speisen - einzigartig!


Stroganina (Строганина) ist ein traditionelles Gericht aus dem Norden Sibiriens und der russischen Arktis. Es besteht aus hauchdünnen Spänen aus tiefgefrorenem rohem Fisch der bei Tisch zerhackt und mit einer Würzkomposition aus Sojasauce, Zitronensaft, Rotweinessig, marinierten Zwiebeln und Kräuteröl serviert wird - eine eiskalte Geschmacksexplosion!

Na und Borschtsch kommt im Restaurant Kacheli in Oktyabrskaya St., 12, Kaliningrad 236006 Russland als halber Marktstand zum Gast, übrigens ebenfalls mit offener Küche, in der es von Personal wimmelt und sehr chicem Interieur - einzigartig! 

Das Restaurant im ehemaligen Hotel Hartmann in Svetlogorsk Rauschen, 
Promenaden Allee 141 ist dagegen noch traditionell geprägt.


Die Hechtfrikadellen, КОТЛЕТЫ ИЗ ЩУКИ waren ganz besonders köstlich.

Und natürlich nicht zu vergessen: Königsberger Marzipan

Mein Résumé

So eine Reise in diese Region in Eigenregie ist schon etwas ganz Besonderes. Es war von atemberaubend bis einzigartig, ursprünglich, authentisch, faszinierend, unentdeckt und vielfältig mit etwas Kribbeln im Bauch. Mein Dank geht an Andrej, ohne den das alles nicht möglich gewesen wäre. Mal sehen wohin es unser multikulturelles Trüppchen 2027 verschlagen wird. 2025 reisten wir ja bereits nach Armenien

Die Vorschau

In meiner neue Berliner Küche unter dem Dach wird zur Abwechslung mal wieder gekocht. Es gibt eine vegetarisches Gericht oder auch eine feine Beilage solange es noch frischen Spargel aus der Region gibt: Spargel-Kartoffel Ragout in Zitronenbéchamel - bis dahin und SO LONG …