Zungenaquaplaning


In meinem letzten Blogpost hatte ich euch von meinen Reiseerfahrungen aus Brașov in Siebenbürgen berichtet. Heute habe ich mal wieder ein köstliches Rezept für euch aus meiner Berliner Küche unter dem Dach. Es gibt eine herbstliche Pfifferlingssuppe – aber lest doch einfach selbst …
Brasov

Die Pfifferlingssuppe

Die Suppe

Pfifferlingssuppe, Making-of
Als Suppe wird eine flüssige Mahlzeit, die meist aus Wasser oder Brühe, Gemüse, Fleisch, Fisch oder anderen Zutaten zubereitet wird, beschrieben. Sie kann je nach Zutaten und Konsistenz sowohl als Vorspeise, Hauptgericht oder als Nachspeise serviert werden. Suppen gibt es in allerlei Varianten: Es gibt die klare oder geklärte Brühe, die feine Cremesuppe oder den eher rustikalen Eintopf. Fleischfrei kommt sie vegetarisch daher. Je nach Bindemittel kann sie auch glutenfrei zubereitet werden. Durch Zugabe von Speckwürfeln ist meine Pfifferlingssuppe natürlich nicht vegetarisch. Glutenfrei ist sie, da Kartoffeln zur Bindung verwandt werden. Dann müsste man allerdings auf die Croûtons aus Weißbrot verzichten. Nicht ganz zufällig fällt mein heutiges Geschreibsel in den Oktober. In den Social Medias kursiert derzeit der Begriff Cooktober. Na auf den Zug springe ich doch gleich mal auf. Und was mit Zungenaquaplaning gemeint ist erklärt sich ja praktisch von selbst. Oder wie der Berliner sagt: Da loft eim ja det Wassa im Mund zusammn.
Pfifferlingssuppe 
Hier, an diese Stelle habe ich für euch einen passenden Ohrwurm:
Mushroom
Can 

Der Pfifferling

Pfifferling (Cantharellus cibarius)
Heute geht’s um den Pfefferling, ja der Berliner sagt Pfefferling. Ein wenig pfeffrig schmeckt er ja auch. Pfifferlinge heißen sie nämlich weil sie pfeifen sollen, wenn man sie ins heiße Fett gibt. Und sie pfeifen tatsächlich. Nicht laut und grell, wie im Fußballstadion, sondern leise vor sich hin quietschend. Zusätzlich interessant ist die Wortherkunft vom Pfifferling (Cantharellus cibarius), was auf die Verkleinerungsform von Cantharus, lat. = Becher oder Humpen hinweist. Damit ist sein trichterförmiger Hut gemeint. Ein Pils passt allerdings nicht in den Pilz – das passt vielleicht eher zwischen Leber und Milz. Weil:
Zwischen Leber und Milz passt immer noch ein Pils.
Pfifferling (Cantharellus cibarius)
Zum Säubern der kleinen Scheißerchen hat sich übrigens folgender Trick bewährt: Ein paar Esslöffel Mehl in eine große Schüssel voll sehr kaltes Wasser streuen, Pfifferlinge, grob geputzt, hineingeben, ein bisschen mit den Händen durcheinanderwirbeln, rausfischen und gut trocknen - funktionuckelt super. Und dann liegen sie schwer im Magen, ganz egal, wie man sie zubereitet, leider! Aber warum? Pilze im Allgemeinen enthalten Chitin, nein nicht Chinin, das hilft gegen Malaria und mit Strychnin könnte man seiner bösen Schwiegermutter an den Kragen gehen. Chitin kennen wir von Käfern, Insekten und von Schalentieren. Da isst man es ja auch eher nicht mit! Beim Pilz dient das Chitin der Strukturbildung, resp. der Formgebung um das viele Wasser zu halten.
Pfifferlingssuppe 
In 100 g Pilzen sind 2,4 g Eiweiß, 0,5 g Fett,  0,5 g Kohlenhydrate und 5 g Ballaststoffe enthalten – der Rest ist, wie schon erwähnt, Wasser. Das Chitin ist absolut unverdaulich und die weiteren Zutaten zu einem Pfifferlingsgericht wie Sahne, Speck etc. tun ihr Übriges.
Das ist ja keinen Pfifferling wert, sagt man, wenn es sich um Tand oder Billigkram handelt. Das ist ein soziokulturelles Phänomen, welches sich in der Sprache als Dialekt niederschlägt. Im Schwabenländle pflegte man nämlich eine Münze (fünf Pfennig) Fünferle zu nennen. Dies mutierte kurzerhand zu Pfifferle und schließlich zu Pfifferling. Abgesehen davon gab es ja auch Zeiten, in denen dieser Speisepilz hierzulande noch massenhaft in den Wäldern wuchs und schon deshalb nicht als sonderlich wertvoll galt.
Pfifferlingssuppe 
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, Wildpilzgerichte nicht öfter als einmal pro Woche zu genießen, wegen der Schadstoffbelastung mit Kadmium, Blei und Quecksilber sowie radioaktive Stoffen. Für alle, die auch außerhalb der Saison nicht auf Pfifferlinge verzichten möchten, ist jetzt höchste Zeit zum Vorräte anlegen! Man kann den Pfifferling entweder trocknen, einfrieren oder einlegen. Allerdings geht beim Trocknen der typische pfeffrige Geschmack verloren. 

Das Rezept



Pfifferlingssuppe von Doc.Eva
Zutaten 
  • 400 g Pfifferlinge, küchenfertig
  • 1-2 Stck Kartoffeln, geschält, gewürfelt
  • 1 Stck Zwiebel, gewürfelt
  • 2 El Butter
  • 600 ml Gemüsebrühe
  • 200 ml Sahne
  • Salz 
  • Pfeffer
  • Muskatnuss
  • Zitronensaft 
  • Croûtons (in Butter geröstete Weißbrotwürfel)
  • Speckwürfel, ausgelassen
  • Thymian
  • Petersilie
Zubereitung
  1. Butter im Topf erhitzen. Zwiebeln glasig dünsten, Pfifferlinge dazugeben und etwa 5 Minuten anbraten.
  2. Einige Pilze für die Garnitur herausnehmen. Kartoffelwürfel und Gemüsebrühe hinzufügen. Alles etwa 15–20 Minuten köcheln lassen. 
  3. Die Suppe mit dem Stabmixer pürieren. 
  4. Sahne einrühren. 
  5. Mit Salz, Pfeffer, Muskat und etwas Zitronensaft würzen. 
  6. Thymian oder Petersilie nach Geschmack hinzufügen. 
Anrichten
  1. Die Suppe auftellern und mit Croûtons, Speckwürfeln und Kräutern ausdekorieren. 
Lasst’s euch schmecken!
Pfifferlingssuppe für den Hausgebrauch 

Die Vorschau

In meiner Berliner Küche unter dem Dach wird auch wieder gebacken. Es gibt den kuriosen unsichtbaren Apfelkuchen und ich werde versuchen euch zu erklären WARUM er so bezeichnet wird, denn hier könnt ihr ihn ja sehen - bis dahin und SO LONG …
Unsichtbarer Apfelkuchen